Luft sichtbar machen. Luft gestalten. Luft bändigen.

—Eine sogenannte Schliere definiert sich als Dichteunterschied in der Luft, welche über Apparaturen sichtbar gemacht wird. Das visuell ansprechende Potential der Schlierenphotographie ist unverkennbar und wurde auch von wissenschaftlicher Seite mit anerkennenden Worten bedacht, auch wenn der Wert einer solchen lediglich in einem Nebensatz der eigentlichen, wissenschaftlichen Errungenschaften erwähnt wird. Die ästhetische Seite einer Schliere, ist es jedoch, die es im Zuge dieser Arbeit herauszustellen galt.

Inwiefern ist Luft als Gestaltungsmedium einsetzbar und in wieweit seinen Formvorstellungen zu unterwerfen? Welche Art der Herausstellung des Mediums, ist unter Beachtung aller Aspekte die idealste?

—Das Prinzip hinter allen Schlierenaufbauten —von der simpelsten Lösung, bis hin zu den komplexesten— ist dasselbe. Die Dichte in der Luft wird durch Strömungen aller Art verändert. Diese Unterschiede lassen die Lichtbrechung in den betroffenen Bereichen der Luft abweichen und stellen so den Schlüssel zur Sichtbarkeit dar.

—In den schematischen Darstellungen, sieht man den Aufbau, der im Falle dieser Arbeit zum Einsatz kommt. Das Streulicht einer Punktlichtquelle wird über einen Kondensor, sei es nun ein Spiegel oder eine Linse, wieder auf seine Ursprungsgröße fokussiert. In diesem Fokus beschneidet ein sogenannter Filter den Lichtpunkt um 50 Prozent oder mehr. Dieser Filter sollte für eine möglichst scharfe Darstellung eine entsprechend scharfe Kante haben. In diesem Fall wird eine Rasierklinge eingesetzt. Der Anteil des Lichts, der nicht abgeschattet wird, gelangt weiter in das Teleobjektiv einer Kamera, die das Schlierenbild per Fotographie oder Video bannt.

—Um der unsteten Bewegung der Luft etwas endgegen zubringen und somit aus mehreren Bewegungen eine Symphonie zu erstellen, ist es erforderlich, die Silikonschläuche —welche die Luft der Heißluftgebläse in den Testbereich vor dem Parabolspiegel leiten— ebenfalls mit einer Choreografie zu versehen. Damit diese Bewegungen so verlässlich und untereinander so harmonisch wie möglich stattfinden, kommt an dieser Stelle ein Mikrokontroller zum Einsatz. Im Aufbau dieser Arbeit funktioniert das ganze über ein Arduino UNO, 4 Servomotoren, an die jeweils einer der Schläuche befestigt ist und ein Servoshield für den Mikrokontroller, um alle 4 Servomotoren simultan ansteuern zu können. Mit einer Programmstruktur als Grundlage, ist es möglich jeden einzelnen Servomotor anzusteuern und in 1°-Schritten von 90° – 135° und von 135° – 45° und wieder zurück rotieren zu lassen. Dieses System bietet die Möglichkeit, über einen durchdachten Programmcode eine Abfolge unterschiedlicher Bewegungsmuster in synchroner, aber auch asynchroner Weise in die Luft zu schreiben.

—In Zusammenarbeit mit Björn Jeske.